Woche 15
Joachim
Woche 15: Joachim macht schnell Karriere, kehrt zurück und geht. Für immer.
1. Rückblick auf den Abschnitt
Der ritterliche Vetter Joachim Ziemßen, Deserteur zur Fahne, schickt brieflich gute Nachrichten auf den Zauberberg. Der zügig beförderte Unteroffizier scheint sich beim Regiment wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser zu fühlen. Doch das Glück währt nur kurz. Ans große Manöver ist nicht zu denken, Joachim muss wieder ins Kommando Hofrat Behrens einrücken.
Das tut er zunächst geradezu mit aufgekratzt guter Laune. Doch schon bald, genau: neun Wochen nach seiner Wiederkehr, schleicht sich ein eigentümliches Licht in Joachims Blick, ein Hans zugleich faszinierendes und zu großer Sorge Anlass gebendes Licht.
Joachim ist todkrank. Da erscheinen die leidenschaftlichen Scharmützel der Herren Pädagogen Naphta und Settembrini rund um die Freimaurerei plötzlich ein wenig albern und unwichtig im Vergleich – jedenfalls ging es mir als Leser so.
Joachim hat nach Auskunft von Behrens »Laryngea« (ich nehme an: Speiseröhrenkrebs). Seine Diagnose nimmt er diskret und, ganz seinem soldatischen Wesen entsprechend, tapfer hin. Uns als Publikum erspart der Erzähler nichts. Von den ersten Anzeichen im Essenssaal bis hin zum Sterbebett werden wir lückenlos mit Informationen und Eindrücken versorgt. Ausdruck jener Faszination für das Element des Todes, die wir vom Protagonisten hinlänglich gewohnt sind.
Mit dem Abschied von Joachim rauscht der Vorhang ein vorletztes Mal nieder. Wir spüren: Auch vom Zauberberg wird uns ein Abschied bevorstehen und es kann nicht mehr lange dauern.
2. Zauberberg unterwegs
Die Woche war voll, das Wochenende auch, der »Zauberberg« musste diesen Samstag zur Erledigung des Lesepensums sogar mit auf den Weg ins »schönste Stadion der Welt« nach Dortmund, um unser Zwölfjährigen beim ersten Heimspiel-Erlebnis Gesellschaft zu leisten.
Darum besteht die Vertiefung diese Woche in der einfachen Frage: Wohin hat dich der Zauberberg in den letzten Monaten schon begleitet? Ich bin gespannt auf die Orte, die er bei euch schon so gesehen hat.

3. Anregungen zum Austausch
Ich fand den Abschnitt dieser Woche besonders eindrücklich. Ich bin gespannt wie du ihn wahrgenommen hast.
- Der Abschied von Joachim ist mir schwergefallen. Ich mochte ihn. Wie ging es dir?
- Wir nähern uns mit dem letzten Kapitel auch dem Ende des Romans. Gut so? Oder jetzt schon leichte Abschiedsschmerzen?
- Dein Zitat der Woche.
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»Zauberberg« auf Reisen: Wo hat es dich mit dem Ziegelstein schon hin verschlagen?
Den Zauberberg will ich ganz in Stille zu Hause lesen, daher nehme ich andere „leichtere“ 😉 Bücher für unterwegs mit…
Ich lese den Zauberberg auch lieber alleine zu Hause. Ich brauche dazu Ruhe und die Möglichkeit ungestört über das Gelesene nachzudenken.
Mein Ziegelstein war mit mir in Genua und auch in Sindelfingen. Auf die wöchentlichen Abschnitte wollte ich nicht verzichten und habe bisher immer im Plan gelesen.
Gerade ist der Ziegelstein mit mir im Urlaub, aber als ich Anfang Juni weggefahren bin, war nur das eBook dabei.
Mir ist er auch zu schwer zum Verreisen. Von daher bekommt er minimale Bewegungsfreiheit von der Couch zum Lesesessel und zurück… 😉
Ich lese den Zauberberg nur zuhause
Ich habe ihn mit nach Sylt genommen, dann aber dort doch leichtere Lektüren gelesen 🙂
Der Abschied von Joachim ist mir schwergefallen. Ich mochte ihn. Wie ging es dir?
Mir ist der Abschied auch sehr schwer gefallen, für mich war dieses Kapitel das emotionalste Kapitel
überhaupt. Sogar Hans Castorp „ließ über seine Wangen die Tränen laufen“ Es ließ mich gerührt und traurig zurück, hatte zunächst keine Lust, weiter zu lesen. Als ob jegliche Hoffnung oder Sinn verloren gegangen wären…
Ich fand den Abschied schwer, ich mochte ihn auch. Bei seiner damals relativ überstürzten Abreise dachte ich schon, dass er doch sicher nochmal auftaucht.
Joachim ist mir über die Wochen sehr ans Herzen gewachsen. Er war die Figur, die gesund werden wollte, die nicht ihre Zukunft „in der Horizontalen“ suchte. Daher hat mir der Abschied fast körperlich weh getan.
Mir ist er die ganze Zeit des Zusammenseins zu distanziert und unpersönlich geblieben. Ich hatte das Gefühl, er will sich nicht zeigen. Deshalb fand ich es schade, dass mir sein Abschied nicht so schwergefallen ist, wie ich es gerne gehabt hätte.
Seltsamerweise ging mir die Beschreibung seiner letzten Wochen sehr nah, obwohl Joachim so viele Seiten lang für mich etwas blass geblieben ist. Vielleicht weil der Autor es so gut beschreibt und weil er es aus der Sichtweise des ihn platonisch liebenden Cousins Hans tut?
Mir ist der Abschied von Joachim sehr schwer gefallen. Das kann ich nicht anders sagen. Daran merke ich immer, dass mir auch Romanfiguren ans Herz wachsen können und dass es, wie im richtigen Leben nicht immer ein Happy End gibt
Uff, was für ein Kapitel. Schon als Joachim sich so vehement entschieden hat, den „Zauberberg“ zu verlassen, schien es wie ein großer Fehler, da im Roman doch immer wieder mitgeteilt wurde, dass die meisten irgendwann wiederkommen, wenn der Gesundungsprozess bei der Abreise nicht abgeschlossen ist. Obwohl ich mir für Joachim einen anderen Ausgang gewünscht hätte, ergibt er sich logisch. Dennoch war dieses Kapitel für mich emotional sehr schwierig – auch weil er uns als Leser*innen dazu anhält, sich mit dem Thema Tod so intensiv auseinanderzusetzen wie in keinem anderen Kapitel – obwohl dieser im „Zauberberg“ immer wieder erwähnt wird. Joachim ist mir ans Herz gewachsen. Der Abschied fällt schwer. Zudem kann ich mich sowohl mit Hans als auch mit Frau Ziemßen sehr gut identifizieren. Beide tuen mir von Herzen leid – auch wenn sie versuchen, dass Schicksal anzunehmen.
Wir nähern uns mit dem letzten Kapitel auch dem Ende des Romans. Gut so? Oder jetzt schon leichte Abschiedsschmerzen?
Mit tut es wirklich leid, ich bin aber sicher, dass der nächste Klassiker schon wartet.
Ja, irgendwie ist es gut so. Es kann ja nur deprimierender werden… Hans Castorp und der Krieg…:-(
Ich glaube, ich werde wohl nach dem Ende einige Abschnitte noch einmal lesen, vor allem die Gespräche zwischen Settembrini und Naphta, da steckt noch so Vieles drin, was ich noch nicht ganz erfasst habe!
Man fühlt den Abschied förmlich und er ist sehr ambivalent. Einerseits hat man sich eingelebt, aber andererseits muss es für Hans und uns enden. Und ich befürchte, es wird nicht leise geschehen…
Ich freue mich schon auf andere Bücher, will die lange Zeit mit ihm aber nicht missen.
Mich hat der Zauberberg an vielen der heißen Tage mit seiner Kühle „klimatisiert“. Ich spüre schon Abschiedsschmerz, bin gespannt, was noch passiert und noch viel mehr gespannter darauf, was als nächstes kommt. Zwischendurch fütter ich mit Deinem, @Alex‘: Tipp „Winesburg, Ohio“ noch ein bisschen auf. Weil das Format so kompakt ist, darf es auch mit auf die mehrtägige Radtour nächste Woche… 😉
Für mich hat das nahende Ende zwei Seiten. Manche Kapitel habe ich as zäh und langatmig empfunden. Bei manchen Kapiteln hat mir das Lesen großen Spaß bereitet. Aber, wenn das Buch zuende ist, kann ich mich freuen, dass ich es gelesen habe. Ohne diesen Leseclub hätte ich mich nie getraut, dieses Buch zu lesen
Auch der Abschied fällt schwer, aber ich freue mich, am Ende den „Zauberberg“ erklommen zu haben 🙂
Dein Zitat der Woche.
Ich habe wieder zwei Zitate.
„Der Menschenfreund kann den Unterschied von Politik und Nichtpolitik überhaupt nicht anerkennen. Es gibt keine Nichtpolitik. Alles ist Politik.“ Settembrini Seite 776/10
„Nur Menschenfeindschaft kann die Wortlosigkeit, die rohe und stumme Dinglichkeit auf ihren Namen taufen.“
Auch Settembrini Seite 787/32
Wie man sicherlich merkt, ist mir Settembrini der Liebste im Buch. Ich fand es interessant, dass sogar die Kunstsprache Esperanto auftaucht. Auch ich bin schon seit Jahren der vielleicht romantischen Ansicht, dass eine einzige Sprache die Welt verbessern könnte. Ebenso bin ich überzeugt, dass Bildung als weiterer Schlüssel zum letztendlich friedlichen und freien Leben verhelfen kann.
Oh ja, diese Zitate und Esperanto sind mir auch ins Auge gesprungen. Mir war nicht klar, wie lange es Esperanto schon gibt.
„Ich kenne den Tod, ich bin ein alter Angestelter von ihm, man überschätzt ihn, glauben Sie mir! Ich kann Ihnen sagen, es ist fast gar nichts damit. Denn was unter Umständen an Schindereien vorhergeht, das kann man ja nicht zum Tode rechnen, es ist eine springlebendige Angelegenheit und kann zum Leben und zur Genesung führen. Aber vom Tode wüsste Ihnen keiner, der wiederkäme, was Rechtes zu erzählen, denn man erlebt ihn nicht. Wir kommen aus dem Dunkel und gehen ins Dunkel, dazwischen liegen Erlebnisse, aber Anfang und Ende, Geburt und Tod, werden von uns nicht erlebt, sie haben keinen subjektiven Charakter, sie fallen als Vorgänge ganz ins Gebiet des Objektiven, so ist es damit.“
(Hofrat Behrens, S.809)
„Aber das Zauberhafte daran ist, daß das Eingeweckte der Zeit entzogen war; es war hermetisch von ihr abgesperrt, die zeit ging daran vorüber, es hatte keine Zeit, sondern stand außerhalb ihrer auf seinem Bord.“ (S. 699)