Woche 19

Gaukeleien


Woche 19: Zum Ende hin wird es noch einmal zwielichtig. Das alte Thema von Krankheit, Gesundheit, Erotik, Körper und Seele erhält eine wilde Drehung ins Gespenstische.

  1. Rückblick auf den Abschnitt
  2. Vertiefung: Ein Toter aus der Zukunft
  3. Umfrage: Abschluss-Zoom
  4. Anregungen zum Austausch

1. Rückblick auf den Abschnitt

Ein letzter Neuzugang ist im Berghof zu bestaunen: Elly Brand, ein ätherisch-zartes Mädchen mit übersinnlichen Begabungen. Schnell wird sie der notorisch gelangweilten Belegschaft zur Attraktion. Auch der Klinikleitung ist diese Abwechslung offenbar nicht unrecht.

Ganz im Interesse streng empirischer Wissenschaft verdunkelt Dr. Krokowski sein ohnehin halb unterirdisches Praxiszimmer zur Abhaltung von Séancen mit seinem eifersüchtig gehüteten Medium. Zwielichtig ist hier so einiges: Das Wissensgebiet zwischen Psyche und Materie, die Beleuchtungsverhältnisse, die Interessen der Beteiligten und das Ritual der Leibesvisitation des jungen Mädchens.

Ob irgendjemand diese »Gaukeleien« wirklich ernst nimmt, ist schwer zu sagen. Der Erzähler jedenfalls nicht. Mitten in diesen fragwürdigen Abläufen ereignet sich dennoch eine eigenartig berührende Szene: Angesichts der Vision seines Vetters Joachim flüstert Hans ein herzergreifendes »Verzeih!«

Dann endet der Hokuspokus mit einer Geste, die sich Hans von seinem Mentor Lodovico Settembrini abgeschaut haben mag: Er knipst das Licht an. Der Spuk ist vorbei.


2. Vertiefung: Ein Toter aus der Zukunft

Hans sieht seinen Vetter mit den »schattigen Wangenhöhlen« seiner letzten Tage. Auch der Bart, der ihm auf dem Sterbebett wuchs, wird beschrieben. Der Erzähler nennt ihn allerdings präzise einen »Kriegsbart«.

Darin liegt bereits ein Hinweis, wie die ausführliche Schilderung der Bekleidung zu verstehen ist: Eine einfache Militärjacke ohne jeden Schmuck. Eine kleiner, niedriger Kragen. Umwickelte Beine und große Schuhe. Eine Kopfbedeckung, ähnlich einem Kochtopf.

Deutsche Fußsoldaten 1916 (vgl. die Wickelgamaschen beim 2. Soldaten v.l.)

Ein Blick auf zeitgenössische Fotografien beweist: Joachim trägt die zukünftige Uniform der deutschen Soldaten im 1. Weltkrieg. Die Uniform zu Friedenszeiten vor dem 1. Weltkrieg sah anders aus: Keine Seitentaschen, farbig, Stehkragen, natürlich kein Stahlhelm.

Ausgehanzug der preußischen Armee um 1900

Warum trägt Joachim die Uniform des nahenden Weltkriegs? Der wissenschaftliche Kommentar erklärt, dass mit Schopenhauer im Willen als Urgrund der Wirklichkeit die Zeiten ineinander fallen. So sei das Phänomen der in die Gegenwart ragenden Zukunft zu denken.

Nun gut. Damit ist aber die spannendere Frage noch offen: Welche Bedeutung hat dieses Phänomen für uns als Leser? Wir verstehen, im Gegensatz zu Hans, was diese fremde Uniform anzeigt: Den kommenden Zermürbungskampf der Schützengräben. Ich bin gespannt, zu erfahren, wie diese Szene auf unsere Leserunde gewirkt hat!

3. Umfrage: Abschluss-Zoom?

Nächsten Sonntag schließen wir den »Zauberberg« tatsächlich ab. 20 Wochen sind wir gemeinsam marschiert. Vielleicht gibt es unter den tapferen Bergsteigern einige, die sich zum Abschluss dieses Großprojekts gerne austauschen wollen.

Ich biete einen Termin für einen Abschluss-Zoom an: Sonntag, 18.10. um 18:30 Uhr. Bitte gib mir doch per Umfrage kurz Bescheid, ob du Interesse hast. Ich würde mich freuen!

Wärst du bei einem Abschluss-Talk am 18.10. um 18:30 Uhr dabei?

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Der Link für den Zoom-Talk kommt nächste Woche mit dem Newsletter (falls wir genug Interessierte sind).

4. Anregungen zum Austausch

  1. Fragwürdigstes: Auf mich wirkten die spiritistischen Experimente wie eine Fortsetzung des Großen Stumpfsinns. Noch eine Unterhaltung, noch ein kleiner Nervenkitzel. Wie hast du es wahrgenommen?
  2. Ein Toter in Uniform: Wie verstehst du Joachims Erscheinung?
  3. »Verzeih!« Hans Castorps unwillkürliches Flüstern – was hat wer hier wem zu verzeihen?
  4. Dein Zitat der Woche.

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