Klassiker des Monats • September 2026

Das bildnis des dorian gray

OSCAR WILDE

Woche 1

Kapitel 1–4

Was diese Woche geschah

Ein Maler malt das Bild seines Lebens. Ein Dandy hat Freude an der Manipulation. Ein junger Mann entdeckt die Macht seiner Schönheit und die erste große Liebe.

John Singer Sargent: Graham Robertson (1894)

Unsere Geschichte über Ästhetik, Moral und Verfall beginnt in einem Atelier. Der Maler Basil Hallward berichtet seinem Freund Lord Henry Wotton von der grenzenlosen Faszination für den jungen Dorian Gray. Er verfällt dem auffällig schönen 20Jährigen bei einem gesellschaftlichen Ereignis und lässt sich von ihm zu seinem größten Kunstwerk inspirieren. Ausstellen will oder kann er es nicht. Es enthält zu viel von ihm selbst: »Ich fürchte, darin das Geheimnis meiner eigenen Seele preisgegeben zu haben.« (12)

Der echte Dorian stößt dazu. Lord Henry wittert die Möglichkeit, seine Philosophie eines »neuen Hedonismus«, eines rein lustbetonten Lebens, an diesem jungen Mann zu erproben. Dorian ist sofort beeindruckt von dem eloquenten, witzigen und scheinbar gänzlich verantwortungslosen Mann, der sich ihm da als Mentor andient. Dessen Maxime lautet: »Jugend ist das einzige, das zu besitzen sich lohnt. (…) Leben Sie! Leben Sie das wunderbare Leben, das in Ihnen ist! Lassen Sie sich nichts entgehen!«

Mit diesen Worten im Ohr sieht Dorian wie Narziss sein eigenes Porträt ganz neu: »Ein Ausdruck des Entzückens trat in seine Augen, als erkenne er sich zum ersten Mal selbst.« Im Angesicht des Bildes formuliert er einen folgenreichen Wunsch: Könnte doch das Bild an seiner Statt altern und er selbst ewig jung bleiben!
Basil Hallward, der längst im Schatten des faszinierenden Lord Henry steht, vermacht Dorian sein bestes Gemälde.

Wir folgen Lord Henry durch die Gesellschaftsräume Londons. Von seinem Onkel erfährt er die tragische Familiengeschichte Dorians, an dessen Ende der junge Mann immerhin als reicher Alleinerbe dasteht. Beste Voraussetzungen für Lord Henrys Hedonismusprojekt!

John William Waterhouse.: Juliet (1898)

Dorian, erfüllt von dem »unbändigen Verlangen, alles über das Leben zu erfahren«, stürzt sich in seine erste Liebe. Seine Angebetete: Sybil Vane, eine mittellose 16Jährige Schauspielerin, die Dorian mit ihren Darbietungen der Frauenfiguren in Shakespeare-Stücken verzaubert hat. Die Warnungen Lord Henrys, es mit der Liebe nur nicht zu ernst zu nehmen, führen zum Gegenteil: Dorian verlobt sich direkt bei der ersten Begegnung mit Sybil. Ob das gut geht?

Lord Henry und die Kunst des Paradoxen

Man wird kaum über die ersten Seiten des Romans hinaus sein und sofort spüren: Hier schreibt einer, der gute Sätze formulieren kann. Sätze, über die man beim Lesen stolpert, Sätze zum Anstreichen. Oscar Wilde war ein Meister solcher Sätze, die man in der Literaturwissenschaft Aphorismen nennt und die er selber gerne als paradoxes bezeichnete.

  • Der einzige Weg, sich einer Versuchung zu entledigen, ist, ihr nachzugeben.

    – Lord Henry (Kapitel 2)

Beispiele lassen sich fast auf jeder Seite finden: »Ich vermag alles zu glauben, vorausgesetzt , es ist ganz und gar unglaublich.« »Gewissen und Feigheit sind in Wirklichkeit ein und dasselbe.« »Nackte Vernunft ist unerträglich. Sie beleidigt den Intellekt.« »Ich kann für alles Mitgefühl aufbringen, nur nicht für das Leid.«

Wildes Aphorismen haben oft einen ähnlichen Aufbau. Sie leben davon, dass sie absurd erscheinen. Wie soll man gerade das Unglaubliche glauben? Mitgefühl, außer mit dem Leid? Vernunft beleidigt den Intellekt? Die offensichtliche Widersprüchlichkeit ist der Köder, mit dem Wilde unser Interesse fängt. Entweder der Satz ist sinnlos – oder er hat eine tiefere Bedeutung, die sich erst beim Nachdenken erschließt.

Vernunft, die den Intellekt beleidigt – Lord Henry sagt das mit Blick auf die pragmatischen Amerikaner, die sich (angeblich) nicht für Bücher interessieren, sondern nur nach dem praktischen Nutzen fragen. Tatsächlich gibt es ganze Abhandlungen über diese Tendenz, das Praktische und Verwertbare dem Denken und der „unpraktischen“ Kultur vorzuziehen. Man nennt das im Fachjargon: Anti-Intellektualismus. Und siehe da: Plötzlich erscheint der kesse Satz von der nackten Vernunft, die den Intellekt beleidigt, gar nicht mehr so sinnlos. Er trifft ins Schwarze.

Hat man einmal bemerkt, dass diese Aphorismen einen tieferen Sinn haben, ist man gefangen. Die Erwartungshaltung ist etabliert. Wildes Sätze sind nicht einfach widersprüchlich, sie sind Einladungen zu einer anderen Sichtweise. Vielleicht braucht man Glauben nur für das eigentlich Unglaubliche? Kann es sein, dass Mitleid das Leiden verlängert? Ob man der Sichtweise am Ende zustimmt, ist nicht entscheidend. Man hat sich in jedem Fall gedanklich bewegt, jeder Aphorismus ist eine kleine geistige Gymnastik.

»Der Weg der Paradoxie ist der Weg der Wahrheit« bringt es Mr. Erskine in Tante Agathas Salon auf den Punkt. Mit der Banalität des Alltags kommt man nicht weit. Die Wirklichkeit muss einmal auf den Kopf gestellt werden, um zu wissen, was von ihr tatsächlich übrig bleibt. Kaum jemand schafft das witziger und fantasievoller als Oscar Wilde.

Anregungen zum Gespräch

Wie bist du in das Buch hineingekommen? Mit Stirnrunzeln oder einem leisen Lächeln? Ich bin gespannt von dir zu hören! Egal, wie kurz oder ausführlich. Das hier ist kein literaturwissenschaftlicher Wettbewerb. Jeder Eindruck zählt. 🙂

Du findest einige Anstöße zum Gespräch im Kommentarbereich am Ende der Seite. Da kannst du entweder per Antwort reagieren oder ein neues Thema anfangen.

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28 Kommentare
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Julia

„Das Bildnis des Dorian Gray“ habe ich vor circa 25 Jahren bereits einmal gelesen. Inzwischen ist natürlich viel Zeit vergangen. Ich habe Geschichte und vor allem Kunstgeschichte studiert und daher hatte ich große Lust nun mit dem neuen Wissen im Hintergrund das Buch ein zweites Mal zu lesen. Ich hatte es durchaus in guter Erinnerung, dass es mir so gut gefällt, wie das momentan der Fall ist, hatte ich allerdings dann so nicht mehr erwartet. Ich bin sehr gut reingekommen ins Buch, mit viel amüsiertem Schmunzeln über die feine Ironie, die an einigen Stellen aufblitzt.
Ich habe die Leserunde zu Kafkas „Die Verwandlung“ neulich mitgemacht und auch ein paar der erste Lese-Runden sozusagen nachgearbeitet, weil ich erst vor kurzem den Klassiker-Club entdeckt habe.
Tatsächlich lese ich grundsätzlich lieber die Klassiker der Weltliteratur. Bei zeitgenössischen Literatur bin ich sehr oft doch sehr enttäuscht und denke dann, es ist schade, um die Lebenszeit, wenn es noch so viele gute Klassiker gibt, die auf mich warten, die ich noch nicht kenne. Trotzdem versuche ich aufgeschlossen zu bleiben und lese auch immer wieder aktuelle, neue, zeitgenössische Literatur und es sind auch ab und zu gute Werke dabei.

Irene

Ich komme aus Wilhelmshaven und arbeite für die Stadtverwaltung in den Bereichen Städtebauförderung und Wohnraumförderung. Ich erinnere mich an den einen Moment meiner frühen Kindheit, in welchem ich begriffen habe, dass ich jetzt jedes Wort lesen kann. Von da an habe ich alles gelesen, was ich in die Finger bekam, und das meine ich wörtlich. Selbst die Etiketten von Marmeladengläsern waren nicht sicher vor mir. Ich muss dazu sagen, in meiner Familie wurde nicht viel gelesen, ich war die erste Leseratte und somit eine Mutation. Ich war daher dankbar für alles, was ich bekam, und das waren damals die Groschenromane meiner Oma.
In der Schule hatte ich Literatur gehasst, weil mir einfach nicht einleuchten wollte, dass Goethe seine Gedichte schrieb mit der Absicht, später Schüler damit zu quälen. Ich konnte auch nicht einsehen, weshalb die Ansichten unseres Lehrers die einzig richtigen sein sollten.
Nun gut, ich lese heute eine sehr gemischte Auswahl, von Kinderbüchern über Thriller, zeitgenössische Romane bis zu Klassikern und sogar Gedichte und Balladen.
Meine erste Leserunde war Kafkas Verwandlung.
Oscar Wilde hatte ich bisher noch nie gelesen. Ich bin gut in das Buch reingekommen. Mir gefällt die Sprache und auch die Beschreibung der Örtlichkeiten. Man fühlt sich fast, als wäre man dort. Toll!

Annette

Dies ist meine erste Leserunde im Klassikerclub, ich habe die Seite kürzlich zufällig entdeckt und finde sie großartig. Da habe ich gleich Lust bekommen, mitzumachen. Es trifft sich gut, dass ich schon lange dieses Buch lesen wollte, nun will ich versuchen, hier meine Gedanken zum Text in Worte zu fassen.

Karo

Oscar Wilde mag ich schon länger wegen seiner schmissigen, oft oberflächlich widersprüchlichen Lebensweisheiten, ich hab auch alle seine Erzählungen gelesen, hatte aber bislang Hemmungen den Roman zu beginnen… dem Klassikerclub sei Dank, jetzt ist es soweit 🙂
Ich hab hier schon einige Leserunden aktiv (d.h. lesen und kommentieren) und passiv (nur lesen) mitgemacht, bin ein 52-jähriges frankisches Gewächs und wohne derzeit in Nürnberg. Zum Lesen bin ich durch eine Freundin in der Schulzeit (Danke, Sabine!) gekommen und in meinem Kulturwissebschaftsstudium hab ich gemerkt, wie sehr ich es tatsächlich liebe. Sehr gerne lese ich alle möglichen Klassiker, aber auch neue Literatur oder journalistische Essays. Ich arbeite auch als Krankenschwester und bin fasziniert davon, wie sehr unterschiedlich und Unerschiedliches Leute lesen.

Svenja

Für mich ist es die erste Leserunde im Klassikerclub und ich habe bisher noch nichts von Oscar Wilde gelesen. Da ich „Das Bildnis des Dorian Gray“ schon länger im Regal stehen habe, kommt mir das ganz gelegen. Kurz zu mir: ich bin Anfang 30, lebe in Mannheim und versuche, auch durch meine regelmäßige Teilnahme an einem queer-feministischen Buchclub, meine Perspektive durch vielseitige Lektüre zu erweitern. Außerdem bin ich studierte Übersetzerin und schreibe auch selbst.

Silke

Ich heiße Silke und ich komme aus der Nähe von Ulm. Ich bin Wissensmanagerin bei der Evangelischen Landeskirche in Württemberg – mich interessiert immer, wie Menschen denken, sprechen und fühlen – weil mich auch immer bewegt, wie – warum und vor allem auch warum nicht, sie lernen. Lesen ist da ein zentrales Element – weil es die Externalisierung von Wissen bedeutet…. Lesen macht mir unwahrscheinlich Freude. Mir geht es auch wie Irene – Lesen begleitet mich von frühester Kindheit an. Lesen ermöglicht, in viele verschiedene Welten, Ideen und Konstrukte einzutauchen. Und es hält geistig beweglich – eröffnet den eigenen Horizont. Ich bin im Klassikerclub schon im „Zauberberg“ dabei. „Das Bildnis des Dorian Grey“ habe ich als Teenagerin gelesen; nachdem das schon eine Zeit lang her war, ist es für mich fast ein neues Lesen. Und was ich gerne lese – eigentlich fast alles. Es muss mich aber feseln; Liebesromane und auch, was gerne als klassicher „Frauenroman“ bezeichnet wird, ist bei mir leider raus. Und auch „Dark Romance“ funktioniert bei mir nicht. Ansonsten versuche ich aufgeschlossen zu sein und fast alles wenigstens zu „probieren“

Julie

Ich bin neu auf den Klassikerklub gestoßen und lese auch das erste Mal Oscar Wilde. Ich finde es schön, dass wir uns hier austauschen können und durch den Roman geführt werden. Ich bin 19 und niemand meiner Freunde liest sonst Klassiker 😅

Kulturzeitreisen

Für mich ist es die erste Leserunde im Klassikerclub und quasi der erste Einstieg zu Oscar Wilde. Auf Empfehlung einer Freundin habe ich vorher aber „The Importance of being earnest“ gelesen und freue mich jetzt um so mehr, Wildes Witz auch hier auf jeder Seite zu finden.
Ich lese fast ausschließlich Klassiker, da meine Lesezeit begrenzt ist und es dort so viel zu entdecken und nachzuholen gibt. Am liebsten Thomas Mann, da arbeite ich mich nach und nach durch das Werk. Als nächstes steht Lotte in Weimar an.
Ich selbst bin Ende 20 und studiere Stadtplanung.

Saru

Ich bin nicht zum ersten Mal dabei, aber hier etwas verspätet mit der ersten Runde. Den Roman lese ich nun zum zweiten Mal und freue mich, etwas tiefer einzutauchen als beim ersten Mal. Da war der Handlungsstrang im Vordergrund – jetzt fällt mein Interesse mehr auf die Charaktere.

Julia

Wie sich schon aus meiner ersten Antwort erahnen lässt, freue ich mich auf jeden Fall aufs Weiterlesen.

Irene

Ich werde auf jeden Fall weiter lesen, obwohl ich tatsächlich etwas anderes erwartet hatte. In meiner Vorstellung war Dorian alles andere als naiv, sondern eher ein unangenehmer Narzist.
Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Annette

Es fiel mir sehr leicht, in den Text „hineinzukommen“. Oscar Wilde schreibt sehr amüsant und die Dialoge sind witzig und hintergründig – manchmal habe ich gedacht, da wäre ich gerne live dabei, zum Beispiel bei dem Frühstück bei Tante Agatha.
Die Figuren sind sehr anschaulich beschrieben, sie wurden mir schnell vertraut.
Es ist eine Freude, dieses Buch zu lesen und ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht.

Karo

Der Einstieg ins Buch hat mich überrascht, da ich nicht mit so viel „Oscar Wilde“ Sätzen gerechnet habe. Die Dichte der bedeutenden Behauptungen des Lord Wottons und die stete Brechung des Gesagten, langweilte mich dann tatsächlich nach den ersten beiden Kapiteln und gleichzeitig störte mich aber dessen bewusste Manipulation von Dorian Gray. Und auch das negative Frauenbild, das transportiert wird, gefällt mir nicht – vielleicht sollte ich parallel nicht so viel Simone De Beauvor lesen 😉

Karo

Aber ja, ich freue mich dennoch oder sogar gerade deshalb auf’s sehr Weiterlesen

Svenja

Mir fiel es deutlich leichter, in das Werk hineinzufinden, als ich davor gedacht hätte. Für einen Klassiker ist die Sprache sehr leicht zugänglich. Definitiv bin ich gespannt darauf zu erfahren, wie es mit den Figuren, die mir schnell vertraut vorkommen, weitergeht.

Silke

Für mich passt es momentan mit den Erwartungen. Es liest sich leicht, auch wenn ich manchmal nochmal zurückgehe, weil mich meine Sätze dann doch nochmal stolpern lassen. Ich freue mich sehr, wie es weitergeht.

Kulturzeitreisen

Die ersten vier Kapitel haben mir sehr viel Spaß gemacht! Oscar Wildes Schreibstil sagt mir sehr zu und lässt mich mit einem Dauerachmunzeln lesen. Ich war überrascht wie viel ich mir hier permanent anstreichen möchte an teilweise absurden Zitaten, die mich nicht selten Innehalten lassen haben, um über das gerade gelesene nachzudenken.

Da ich ja etwas hinterher hänge, freue ich mich sehr, gleich einfach weiter zu lesen und bin gespannt wie Lord Henry mit den Neuigkeiten am Ende des vierten Kapitels umgeht und was er Dorian dazu sagen wird.

Saru

Es vermittelt eine gewisse Leichtigkeit beim Lesen, und man kommt gut rein in das Gespräch zwischen Basil und Sir Henry. Durch das Gespräch erfährt man viel über die beiden. Es gab hier wirklich lustige Stellen, und du hast in der Einleitung die Kunst des Paradoxen schon erwähnt und die absurden Aphorismen, mit denen Sir Henry sehr großzügig um sich wirft. Das war schon etwas viel. Er scheint auf alles eine sarkastische Antwort zu haben – zynisch, herzlos, reich und an Erlebtem scheinbar übersättigt, sodass er auf der Suche nach Belebung nach Vergnügungen suchen muss, die abseits der viktorianischen Moral und Ethik zu finden sind. Sir Henry ist ein Snob: der Adel arbeitet nicht, alles Pragmatische, und dazu gehört auch Geld verdienen, und auch Unternehmer, Ärzte und andere hochgebildete Berufe, die es nötig haben, zu arbeiten, sind offenbar unter seiner Würde – nicht mal interessant genug, aber modern. Es gehört wohl zum guten Ton, sich dem Nichtsnutz hinzugeben – und das kann sich nur der reiche Adel erlauben. Sein Menschenbild entspricht in gewisser Hinsicht dem der antiken Griechen (der alten, reichen Männer), die Frauen zur Vermehrung und Jünglinge zum Vergnügen objektivieren. Und das gedenkt er zu tun mit dem Schönling Dorian Gray. Während Basil, ein emotionaler Künstler ist, der sich in seine Muse verliebt hat, bzw. seine Muse anbetet, die er als unschuldig und rein wahrnimmt. Und dessen Schönheit er verfallen ist. Basil spürt jedoch, dass Harry dieser Unschuld eine Gefahr sein könnte. Wie in einem Coming-of-Age-Roman, in dem der junge Mann den Vorstellungen der Eltern entwächst, befürchtet Basil, Dorian könnte verdorben werden – und er würde ihn dadurch verlieren. Und schon beim ersten Zusammentreffen Dorians und Harrys dämmert einem, dass Basils Ahnung Wahrheit werden wird. Das ist wirklich schön gezeichnet und formuliert… was auch angedeutet wird: Weder Basil noch Sir Henry sehen über die äußere Schönheit Dorian Grays hinaus – vielleicht auch, weil nicht viel anderes da ist. Sie arbeiten ihre eigenen Bedürfnisse an dem jungen Mann ab, der (noch) ohne Profil ist.

Julia

„Den Platz zu ihrer Linken nahm Herr Erskine of Treadley ein, ein alter, scharmanter und gebildeter Herr, der jedoch die schlechte Gewohnheit des Schweigens angenommen hatte, da er, wie er einmal Lady Agatha erklärt hatte, mit allem, was er zu sagen hatte, vor seinem 30. Lebensjahr fertig geworden war.“ (3. Kapitel)
Wunderbar! Herrlich! 😄

Irene

Er spielte mit dem Einfall und wurde mutwillig; warf ihn in die Luft und wandelte ihn ab; ließ ihn entwischen und fing ihn wieder ein; ließ ihn fantasievoll schillern und beflügelte ihn mit einem Paradox.
Wundervoll, diese bildhafte Sprache

Annette

„Der durchaus wohlunterrichtete Mann – das ist das Ideal unserer Zeit. Und um den Geist des durchaus wohlunterrichteten Mannes ist es etwas Schreckliches. Er ist wie ein Antiquitätenladen, in dem es Ausgeburten aller Art und Staub gibt, und jedes Ding über seinen wirklichen Wert ausgezeichnet ist.“ (Lord Henry, 1. Kapitel)

Silke

„Ja“, fuhr Lord Henry fort, „das ist eines der großen Geheimnisse des Lebens – die Seele mit Hilfe der Sinne zu heilen und die Sinne mit Hilfe der Seele“ (und ich würde NIEMALS etwas im Buch anstreichen… 😉 ich nutze natürlich Buchpfeile…. eine kleine Marotte von mir…. 😉 )

Kulturzeitreisen

„People are very fond of giving away what they need most themselves. It is what I call the depth of generosity. “ – Lord Henry
Kapitel 4

Habe keine deutsche Ausgabe zur Hand, hoffe das ist okay.

Katrin

Mein lieber Junge, keine Frau ist ein Genie. Frauen sind ein dekoratives Geschlecht. Sie haben nie etwas zu sagen, aber sie sagen es bezaubernd…

Saru

Mir ist ein Dialogfragment aufgefallen, das viel über Dorians Liebe zur Schauspielerin und Sir Henrys Haltung zur Liebe, aussagt: „Wann ist sie Sibyl Vane?“ „Nie!“ „Gratuliere!“

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