Herzlich Willkommen allen Wiederholungstätern und Neueinsteigern! Wir starten in Runde 2 des KlassikerClubs. Und Du kannst mitentscheiden, was wir lesen.
1. Die Kandidaten
Diesmal gibt es 4 Kandidaten. Alle stammen aus den frühen 1930er Jahren, alle haben einen gut lesbaren Stil, alle erzählen von einer äußerst spannenden Zeit in Deutschland. Ergo: Wie man’s macht, macht man es richtig! 😉




Erich Kästner: Fabian, die Geschichte eines Moralisten (1931) ca. 250 Seiten
Gabriele Tergit: Käsebier erobert den Kurfürstendamm (1932) ca. 380 Seiten
Hans Fallada: Kleiner Mann – was nun? (1932) ca. 500 Seiten
Irmgard Keun: Nach Mitternacht (1936) ca. 180 Seiten
Auf Instagram (@klassikerclub) und Tiktok findest du ein Video, in dem ich ein paar Sätze zu den Büchern loswerde. Vielleicht hilft es dir, dich zu entscheiden. Über jeden der Romane findest du auf Wikipedia kurze Artikel – dort aber Achtung, Spoiler möglich!
2. Die Abstimmung
Die Regeln sind einfach: Jede:r hat eine Stimme. Das Buch mit den meisten Stimmen gewinnt. Umfrageende ist Sonntag, 18.01.2026 um 10 Uhr. Dann entwerfe ich den Leseplan mit einer Einteilung des Buches je nach Umfang. Los geht’s…
Meine Stimme für…
- Erich Kästner: Fabian (31%, 64 Stimmen)
- Gabriele Tergit: Käsebier erobert den Kurfürstendamm (14%, 29 Stimmen)
- Hans Fallada: Kleiner Mann – Was nun? (13%, 27 Stimmen)
- Irmgard Keun: Nach Mitternacht (41%, 84 Stimmen)
Wähler insgesamt: 204
3. Neue Sachlichkeit – Ein bisschen Hintergrund
Alle 4 Kandidaten werden der Stilrichtung »Neue Sachlichkeit« zugeordnet. Nie gehört? Sehr gut, dann lernen wir es gemeinsam kennen! Hier das Wichtigste in Kürze:
In den 1920er Jahren entsteht in Deutschland eine neue literarische Bewegung. Man fasst sie mit ähnlichen Bestrebungen in Kunst und Architektur unter dem Namen »Neue Sachlichkeit« zusammen. Ihr Kennzeichen: Eine nüchterne, einfach zugängliche Sprache; ein Interesse am Leben in der Großstadt, an den Milieus der Arbeiter:innen und Angestellten, am faktischen Alltag der sog. “kleinen Leute”.

Die Neue Sachlichkeit ist eine Reaktion auf den Expressionismus und seinen Hang zu einer extrem verdichteten, bedeutungsschwangeren Sprache. Sie greift stattdessen zurück auf den Naturalismus, der die Welt ungeformt so zeigen will, wie sie ist – im Kleinen wie im Großen, im Schönen wie im Hässlichen.
Kurz: Neue Sachlichkeit ist dokumentarisch, journalistisch, präzise. Sie ist eher leicht zu lesen, aber reich an Erfahrung und Zeitgeschichte. Ideal auch für jene, die eher selten zu Klassikern greifen!
Politisch gehört die Neue Sachlichkeit in die Zeit der Weimarer Republik (1918-1933) und ist eng mit ihr verwoben. Die Literatur der Neuen Sachlichkeit ist demokratieoffen, mit sozialdemokratischer Prägung, weltanschaulich tolerant. Ihr logisches Ende findet sie deshalb mit dem Aufstieg des Faschismus.
Irmgard Keun beschreibt in Nach Mitternacht diesen Übergang. Erich Kästners Fabian wird von den Nazis verbrannt, Gabriele Tergit als ‘jüdische Autorin’ verboten.
Die Gegenwartsbezüge liegen auf der Hand: Unsere Kandidaten zeigen alle eine demokratische Gesellschaft im Krisenmodus. Die Wirtschaft steht unter Druck. Das Bürgertum fürchtet Wohlstandsverluste. Extreme Parteien bekommen Zulauf. Die Vielfalt von Lebensentwürfen ist umstritten. Schuldige und Sündenböcke werden gesucht und gefunden.
Die Neue Sachlichkeit begegnet dieser Situation ohne Pathos und schnelle Urteile. Sie dokumentiert, beschreibt und versucht das Große im Kleinen zu verstehen. Sie bietet Beobachtung statt Ideologie.






Hallo Alex, bin gerne wieder dabei und bin sehr begeistert über die Neue Sachlichkeit. “Fabian” ist eins meiner Lieblingsbücher. Seit ich das als Teenager zum ersten Mal gelesen habe, bin ich sehr vorsichtig, wenn es darum geht, den letzten Satz eines Romans zu lesen 🙈.
Ich bin für Irmgard Keun. Das Buch kenne ich noch nicht. In dem Roman von Cay Rademacher “Nacht über den Ruinen” aus dem letzten Jahr spielt sie eine Nebenrolle in einer Geschichte, in der es um das Kriegsende 1945 in Köln geht. Kein Klassiker aber absolut empfehlenswert.
Und dann wollte ich fragen, ob man hier auch Vorschläge machen darf?
Hab gerade “Nachts unter der steinernen Brücke” von Leo Perutz wieder gelesen und würde diesen Autor so gerne bekannter machen in Deutschland. Ganz großes Kino.
Oder” Der Glöckner von Notre Dame” von Victor Hugo. Hab ich schon drei Mal gelesen, voller Zitate und eine herzzerreißende Geschichte, an die keine Verfilmung ran kommt, weil die immer den besten Teil weg lassen. Und es ist nicht so dick wie “Die Elenden”
Liebe Grüße Mari