Geht es dir wie mir und du hast dir bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2025 an Dorothee Elmigers Die Holländerinnen auch gedacht »könnte man eigentlich mal lesen«? Dann ist jetzt die Gelegenheit! Bevor der Buchpreis-Zug 2026 im Sommer wieder anrollt…
1. Online gemeinsam lesen: So funktioniert es
Das Mitmachen ist einfach: Das Buch ist in drei Kapitel von je +/- 50 Seiten eingeteilt. Den jeweiligen Abschnitt liest jede:r über die Woche im eigenen Tempo. Jeden Sonntag erscheint hier ein neuer Beitrag zum Leseabschnitt der vergangenen Woche. Einleitende Fragen eröffnen den Austausch in den Kommentaren. Jede:r trägt so viel bei, wie sie oder er möchte. Wenn du mit dem Lesen länger brauchst, kommentierst du einfach, sobald du soweit bist.
Die Seitenzahlen im Leseplan orientieren sich nach der Erstausgabe im Hanser Verlag. Sollte jemand die Ausgabe der Büchergilde haben, gerne per Kommentar kurz melden. Ich bin mir allerdings fast sicher, dass der Satzspiegel und die Seitenzählung identisch ist…
| Datum | Thema |
|---|---|
| 05. April | Gespräch über Kapitel I (bis S.66) |
| 12. April | Gespräch über Kapitel II (bis S.109) |
| 19. April | Gespräch über Kapitel III (bis S.158) und Abschluss |
2. Die Holländerinnen: Was uns erwartet

Das Buch erzählt von einer Schriftstellerin, die in einem Hörsaal spricht. In diesem Hörsaal erzählt die Schriftstellerin von einer Reise in die Tropen. Die doppelte Vermittlung (Erzählerin → Schriftstellerin → Handlung) schlägt sich in einem durchgehenden Konjunktiv nieder, der dem Buch einen charakteristischen Ton verleiht: »Im Januar vor drei Jahren, sagt sie, habe sie der Anruf eines Theatermachers erreicht. (…) Im Taxi habe sie sich durchs menschenleere Zentrum der Hauptstadt zum Hotel fahren lassen. (…) Lange seien sie dann einem Weg gefolgt…«
Aufgebaut ist das Buch wie ein Experiment. Ein Theatermacher möchte zwei Holländerinnen auf die Spur kommen, die vor langer Zeit im Urwald verschwunden sind. Dafür schickt er zwei Frauen auf die Reise, die in einer Art wiederholender Erfahrung am eigenen Leibe recherchieren sollen, was geschehen sein könnte. Die Schriftstellerin reist als Protokollantin der Geschehnisse mit.
Die Reise ist zugleich eine Reise in die Untiefen der Tropen und in die Untiefen der eigenen Seele. An Werner Herzog orientiert sich das Projekt, an Coppolas Apocalypse Now und also an deren literarischer Vorlage, Joseph Conrads Herz der Finsternis.
Was nicht zu erwarten ist: Ein Plot, der wie ein Detektivroman geraden Weges vom Start einer Ermittlung zu deren Ende und Auflösung fortschreitet.
Was zu erwarten ist: Eine traumwandlerische Ästhetik, in der Fiktion und Wirklichkeit ebenso verschwimmen wie Außenwelt und Innenwelt, wie Natursphäre und seelische Landschaften.
Ich freue mich drauf, diesen besonderen Text zu entdecken und dabei vielleicht auf manche Parallelen zu unserer letzten Leserunde zu stoßen.
3. Dorothee Elmiger: »Auf keinen Fall! So ein Scheiß.«
Die Holländerinnen ist der vierte Roman Elmigers. Beinahe wäre er nie erschienen.
Die Schweizerin startete mit 24 Jahren überraschend durch. Ihr Debüt Einladungen an die Waghalsigen gewann 2010 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Sie arbeitete als Übersetzerin und veröffentlichte zwei weitere Romane.

Mit ihrem vierten Buch war es zunächst ein Kampf. Über drei Jahre hat sie wieder und wieder angesetzt, überarbeitet und verworfen. Sie war kurz davor das Schreiben vollständig aufzugeben. Man riet ihr dazu, Hypnose-Tapes eines berühmten Therapeuten anzuhören. Der sollte suggestiv einen tollen Plot und starke Figuren in ihr Unterbewusstsein raunen. Elmiger war nur begrenzt überzeugt: »Auf keinen Fall! So ein Scheiß.«1
Geplatzt ist der Knoten dann doch noch. In einem heißen Sommer hat sie den Roman wie im Fieber niedergeschrieben. Über den Erfolg war vielleicht nicht nur sie selbst erstaunt, sondern auch ihr Verlag. Im Anschluss an die Verleihung des Deutschen Buchpreises waren Die Holländerinnen erst einmal einige Wochen vergriffen…
4. Ein paar Fragen zum Einstieg
Für unsere erste Diskussion am 05. April über die Seiten 1–50 schlage ich dir ein paar Leitfragen vor, die helfen könnten, ins Buch hineinzufinden:
- Die Erzählung im durchgehenden Konjunktiv ist die auffälligste Eigenart des Buches. Welchen Effekt hat diese literarische Entscheidung auf dein Lese-Erleben?
- Im Zentrum des ersten Abschnitts steht ein Bericht über eine eigenartige Erfahrung einer Figur auf einem Bauernhof. Es hat ein bisschen was von Kafka. Wozu diese Einschaltung?
- Wie wirken die Personen auf dich? Nah oder distanziert? Kannst du dich identifizieren? Fieberst du mit einer Person mit?
- Daniela Janser, Interview mit Dorothee Elmiger in der WOZ vom September 2025: https://www.woz.ch/2538/dorothee-elmiger/es-ist-nicht-so-dass-ich-eine-faszination-fuer-gewalt-habe/!DARKV1F43VD2 ↩︎

Hallo, Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit dieser Meinung allein bin, aber ich hatte mich darauf gefreut, mithilfe dieses Clubs mehr Klassiker zu lesen.
Ein Buch aus dem Jahr 2025 passt für mich nicht so recht in dieses Konzept, auch wenn ich Dorothee Elminger sehr schätze.
Für mich geht das ein Stück weit an der ursprünglichen Idee vorbei, auch wenn jetzt daraus vermutlich wieder eine Grundsatzdiskussion darüber entsteht, was genau als „Klassiker“ gilt.
Keine Sorge, wir bleiben auch in Zukunft bei Klassikern. Elmiger ist ein bewusster Anschluss an Conrads Herz der Finsternis, sozusagen eine Erweiterung.
Hab ich die Abstimmung für die nächste Runde verpasst ?
Bin etwas irritiert, werde aber weiter mitlesen .
Gute Frage – diesmal gab es keine Abstimmung. Die Elmiger-Runde ist bewusst als kurzer Anschluss an Conrad gedacht. Danach geht es wieder wie gewohnt weiter.
Ich war auch gerade irritiert. Ich hoffe, ich schaffe es, das Buch schnell zu bekommen und in der ersten Woche die Seitenzahl zu schaffen
Freut mich, wenn du Lust hast dabei zu sein. Und ich glaube, die Chancen das Buch zu bekommen, stehen gut: Wahrscheinlich das eine Buch, das gerade in jeder Buchhandlung vorrätig ist. 😀
Ich finde es schön und interessant, dass Du ein Buch ausgewählt hast, dass in die Fußstapfen Conrads tritt, und noch dazu eins, dass so eine spannende Form hat! Leider bin ich aus Zeitmangel diesmal eher nicht dabei… würde aber eventuell hinterher lesen 🙂
Lieber Alex, Maria hat mir gestern von eurem Podcast erzählt (großartig!) und jetzt bin ich hier gelandet. Die Holländerinnen stehen schon eine Weile auf meiner Leseliste, also nutze ich die Gelegenheit, mich euch anzuschließen. Ich freue mich – Klassiker hin oder her.